In den letzten Wochen konnte man eigentlich kaum daran vorbei. Suchmaschinengigant Google launchte (wieder einmal) ein Social Network. Nach dem recht bescheidenen Erfolg von Google Wave durfte man nun etwas skeptisch sein. Google+ schlug in die bunte Social Media Welt aber ein wie eine Granate. Nach drei Wochen meldete Google die unglaubliche Zahl von über 20 Millionen registrierten Usern. Bei diesem Wachstum an Usern dürften auch Facebook schön langsam die Knie schlottern. Übrigens: Ganz genau brauchte Google+ 16 Tage für 10 Millionen User. Twitter 780 Tage, Facebook 852 Tage. Wow, ha?

Facebook hingegen glänzte gerade in dieser heiklen Phase vor allem mit Bugs in allen erdenklichen Ausführungen. Von der instabilen App über halbfertige, mühsame neue Features bis hin zu Komplettausfällen. Google+ besticht vor allem durch das übersichtliche und selbsterklärende User Interface, die fehlerlosen Features und durch eine stabile und schnelle App.

Die Circles

Google+ bietet für die Verwaltung seiner Kontakte ein neues System: Die Circles (Kreise). Das bedeutet, dass alle Kontakte, die man added, in selbst angelegte Kreise geordnet werden können. Jeder koordiniert somit die Kontakte nach seiner Vorstellung. Kreise könnten somit Familie, Freunde, Kontakte (also nach Art der Beziehung) oder Wien, Amsterdam, New York (nach Wohnort) genannt werden.

Man kann sie aber auch ganz anders benennen.

Quelle

Für alle Informationen, die man postet, kann man dann auswählen, welche Kreise diese sehen können. Und genau hier liegt ein sehr interessanter Aspekt für das Locationmarketing.

Plattformen, die einerseits eine breite Masse an Usern angesammelt haben und andererseits einen Check-In Dienst anbieten, sind automatisch interessant für Unternehmen, die mit Locationmarketing arbeiten wollen.

An dieser Stelle gleich ein “Vorsicht!”

Google+ hat bis jetzt noch keine Business Profile freigegeben. Bislang sind nur private Profile erlaubt, die eindeutig einer Person zugeordnet werden können. Auch wenn sich auf Google+ schon eine beachtliche Zahl an Unternehmensprofilen  herumtreiben, sind diese von Google bis dato weder erwünscht noch erlaubt. Die Mitarbeiter von Google+ löschen diese Profile auch radikal. Deshalb ist es ratsam auf die Freigabe von Business Profilen zu warten, ehe man als Unternehmen in dem neuen Social Network durchstartet.

In der Theorie: Was kann Google+’s Check-In Dienst?

Bis jetzt: Noch nicht unbedingt viel mehr als Facebook’s. Nach einer Location suchen, einchecken, mit Text oder Bild versehen und die Info posten. Google+ bietet hier allerdings die Möglichkeit, den Check-In nur ausgewählten Circles zugängig zu machen. Also vielleicht nur jenen, die auch in demjenigen Ort wohnen und mit dem Check-In etwas anfangen können? Oder vielleicht nur jenen, die mit der besuchten Veranstaltung etwas verbinden? Eben ein selektiveres und bewussteres Teilen von Informationen statt einem globalen Ausschütten.

Wie dieser Dienst für Unternehmen zu nutzen sein wird, bleibt allerdings abzuwarten. Auf jeden Fall ist das selektive Zusenden von relevanten Informationen eine ausbaufähige Funktion, die den Spam und die Mengen an unnötiger Information stark reduzieren könnte.

Das Problem an Google+’s Check-In ist allerdings jenes, das auch Facebook Places hat. Er lässt sich (noch) nicht mit dem größten Location Based Service Foursquare verbinden. Der Dienst ist isoliert und funktioniert auch nur über die eigene Plattform. Der User müsste also theoretisch drei verschiedene Apps aufrufen um sich in allen Diensten einzuchecken. Supermühsam. Macht kein Mensch. Viele User verlangen hier auch schon eine Verknüpfung um den Eincheckmarathon etwas einzudämmen. Hierzu bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder Google+’s Check-In entwickelt sich zum One and Only oder man denkt wirklich an eine Einbettung von Foursquare. An dieser Stelle nun wieder einmal die berühmten letzten Worte auf locationmarketing.at: Der letzte Keks ist noch nicht gegessen!

PS: Nachtrag auf Info von @pyrker: Google+ hat derzeit noch ein richtiges Manko: Usern ist es selbst nicht möglich, neue Orte anzulegen. Google+ holt sich die Informationen selbst aus dem Firmenregister und anderen Quellen. Damit will man wohl verhindern, dass Orte unvollständig, falsch oder doppelt angelegt werden.